PAPIER UNION - Geschäfte auf Kosten des Regenwaldes 

Die Papier Union hält trotz Protesten von Umweltorganisationen aus aller Welt an dem Geschäft mit Büropapier des Herstellers APRIL fest. Dieser Konzern ist einer der größten Regenwaldzerstörer weltweit. 

Aktuelle Informationen über APRIL: http://aprilwatch.blogspot.com/

Eine Zusammenfassung der ökologischen Folgen der APRIL-Produktion enthält der nachfolgende Brief an die Papier Union.
ROBIN WOOD-Brief an die PAPIER UNION, 6.12.2004
(pdf)
Das zweite Schreiben enthält Informationen über einen Überfall von APRIL-Mitarbeitern auf ein Dorf, das sich gegen die Ausbeutung durch den Konzern zur Wehr gesetzt hat.
ROBIN WOOD-Brief an die PAPIER UNION, 15.12.2004 (pdf)
Im Mai 2004 forderten 50 Umweltorganisationen aus aller Welt Papier Union auf, auf APRIL-Produkte zu verzichten:
Joint Letter an die PAPIER UNION, 5.5.2004 (pdf) 

Umfassende Hintergrundinformationen über das Ausmaß der Umweltzerstörung durch den Konzern APRIL enthält der ROBIN WOOD-Bericht "Raubbaupapier".

Der nachfolgende ROBIN WOOD-Kommentar setzt sich ausführlich mit einer Stellungnahme der Papier Union von November 2004 auseinander. In dieser Stellungnahme ignoriert der Papierhändler die von ROBIN WOOD und anderen Umweltorganisationen vorgelegten Rechercheergebnisse (So wurden u. a. alle Hinweise von ROBIN WOOD, dass APRIL bei der Zerstörung des Regenwaldes auch indonesische und internationale Gesetze bricht, durch eine von der PU eigens angeforderte Stellungnahme des WWF bestätigt). Dennoch schreckt die PU nicht davor zurück, völlig unhaltbare und unbelegte Aussagen zu verbreiten, die nicht einmal von APRIL selbst öffentlich vertreten werden. 

Nachfolgend werden die Antworten der PU im Einzelnen kommentiert. Die Antworten der PU auf die Fragen von ROBIN WOOD sind grün, Kommentare von ROBIN WOOD dunkelrot hervorgehoben.

 

  1. RoWo: Warum hat die Papier Union keine Mindeststandards für den Papiereinkauf, welche die Verletzung der Landrechte der lokalen Bevölkerung, wie sie in Indonesien an der Tagesordnung ist, in den Herkunftsgebieten des eingesetzten Zellstoffs ausschließt (z.B. in Anlehnung an die Prinzipien 2 und 3 des Forest Stewardship Council)?

PU: In unserer in Bezug genommenen Stellungnahme hatten wir bereits darauf hingewiesen, dass wir keine Papiere handeln, bei denen Zellstoff aus Holz eingesetzt wird, dessen Gewinnung unter Verletzung von Rechten der lokalen (Ur)Bevölkerung erfolgt. Dies lassen wir uns von unseren Papierlieferanten bestätigen. Die von Ihnen wiederholt behaupteten angeblichen Verletzungen durch unseren Lieferanten April sind bis heute in keinem uns bekannten Falle konkret belegt oder dokumentiert und haben sich auf Hinweise auf die Verhältnisse in Indonesien im allgemeinen beschränkt. Wie wir uns durch Besuch vor Ort überzeugen konnten, hat April ein durch die renommierte Beratungsgesellschaft Pro Forest begleitetes Land Dispute Resolution Programm entwickelt, mit dem Interessenkonflikte zwischen April und betroffenen Personengruppen vor Ort einvernehmlich und gewaltfrei geregelt werden, überwiegend in der Form, dass April die wirtschaftliche Nutzung der streitigen Lizenzgebiete bis zur abschließenden Reglung mit allen Beteiligten aussetzt. Darüber hinaus hat April nachweislich ein für die Region und ganz Indonesien einzigartiges, durch den Präsidenten des Landes ausgezeichnetes Community Development Programm aufgebaut, in dem die lokale Bevölkerung, die vielfach in landwirtschaftlichen Fragen ohne jede Grundkenntnisse ist, geschult und gezielt zur wirtschaftlichen Selbständigkeit entwickelt wird.  

RoWo: Die Frage wird nicht beantwortet. Im Schreiben der PAPIER UNION vom 4.6.04 werden eine Reihe von Kriterien für den Papiereinkauf genannt, nicht aber die Wahrung der Landrechte.[1] 

Die Verletzung der Landrechte und Vertreibung der lokalen Bevölkerung durch APRIL sind  in dem Bericht „APRIL fools“ von Friends of the Earth dokumentiert (Chapter 6, land disputes, S. 24 f.), den wir Papier Union Ende 2002 übergeben haben. [2]

Zur Verletzung der Menschenrechte durch die Papierindustrie in Indonesien liegt außerdem ein Bericht von Human Rights Watch vor.[3]

Nach Angaben von APRIL gibt es Landrechtskonflikte mit Einheimischen auf einer Fläche von 11.000 Hektar. Die Community Development Programme von APRIL haben nur kosmetischen Charakter und punktuelle Wirkung. Sie machen den flächendeckenden, ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Schaden, den die Bevölkerung durch den Verlust von mehreren Hunderttausend Hektar Wald erleidet, nicht wieder gut.

  1. RoWo: Warum hat die Papier Union keinen Mindeststandard für den Papiereinkauf, der ausschließt, dass in den Herkunftsgebieten des eingesetzten Zellstoffs für die Anlage von Monokulturen schützenswerte Naturwälder vernichtet werden (z.B. in Anlehnung an das FSC-Prinzip 10)?

PU: Wir verweisen erneut auf unsere diesbezügliche Presseerklärung, in der wir u.a. auch einen Bezug von Zellstoff bzw. Holz aus besonders schützenswerten Wäldern (sog. High Conservation Value Forest, HCVF) ausschließen. Auch hierzu lassen wir uns entsprechende Nachweise unserer Lieferanten vorlegen. In diesem Zusammenhang möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass Papier Union als erster deutscher Papierhändler gem. FSC CoC zertifiziert ist.

RoWo: Die Frage wird nicht beantwortet. Unter den von der Papier Union genannten Kriterien wird nicht die Umwandlung von Naturwald in Plantagen berücksichtigt (s.o.).

Wie die Papier Union von mehreren Seiten weiß, hat APRIL bisher keine Untersuchungen über den Schutzwert der Wälder in den Konzessionsgebieten vorgelegt (Identifizierung von High Conservation Value Forest, HCVF). Das Unternehmen APP hat in jüngster Zeit in einem Konzessionsgebiet erstmals eine solche Untersuchung durchführen lassen und versprochen, die Ergebnisse zu befolgen (leider zerstört auch dieser Konzern in anderen Gebieten weiter den Regenwald). Die FSC CoC-Zertifizierung verhindert bisher leider nicht, dass ein Händler der FSC-zertifizierte Produkte anbietet, gleichzeitig auch Produkte anbietet, die aus Raubbau an den letzten Regenwäldern stammen.

  1. RoWo: Warum bestreitet die Papier Union, dass April für die Anlage von Plantagen schützenswerte Torfwälder zerstört, obwohl Papier Union aus den von uns vorgelegten Rechercheergebnissen weiß, dass es sich um Jahrtausende alte, sensible Waldökosysteme handelt, in denen u.a. der Sumatra-Tiger, 5 Arten von Affen und 78 Vogelarten vorkommen und die eine enorme Bedeutung für das Weltklima haben?

PU: Teilweise sind die Akazienplantagen Aprils in Pelalawan auf der Kuala Kampar Halbinsel auf Torfmoorböden (sog. Peat Swamps) angelegt, die vormals überwiegend mit natürlichen, allerdings bereits stark degradierten Waldbeständen bewachsen waren. Torfmoorböden sind eine in den Tieflandebenen Sumatras bzw. der Provinz Riau häufige Bodenform, größere Gebiete wurden bereits in der Vergangenheit z.B. in Ölpalmplantagen umgewandelt. Die Anlage der Akazienplantagen Aprils in Pelalawan erfolgt nach den uns vorliegenden Informationen und ausweislich der uns vorgelegten behördlichen Unterlagen im Rahmen legal erteilter Lizenzen und auf Basis einer Raumnutzungsplanung der regionalen Behörden Riaus für die gesamte Region, zuletzt mittels Plan Perda 23 aus dem Jahre 2001. Die Umwandlungsmaßnahmen wurden zuletzt noch einmal ausdrücklich durch ministeriellen Erlass SK 162 aus dem Jahre 2003 bestätigt und u.a. April angehalten, seine Konvertierungspläne zügig umzusetzen, um die bis zum Jahre 2009 geplante vollständige Umstellung auf eine nachhaltige Plantagenholzversorgung sicherzustellen. Die uns vorgelegten behördlichen Dokumente lassen erkennen, dass dabei die Übereinstimmung der geplanten Maßnahmen mit den verschiedenen einschlägigen Schutzgesetzen Indonesiens geprüft wurden. Satellitenbilder von Kuala Kampar bzw. Pelalawan aus 2002 – zu diesem Zeitpunkt waren die Plantagenaktivitäten Aprils noch nicht weit fortgeschritten – zeigen, dass die natürlichen Waldbestände auf der Halbinsel insbesondere in den Randgebieten, die April zur Plantagenumwandlung zugewiesen waren, bereits stark durch illegale Einschläge – wahrscheinlich der lokalen Bevölkerung und Kleinbetriebe mit dem Ziel der Nutzholzgewinnung - geschädigt waren und keinen hohen Schutzwert mehr hatten.

Gleichwohl hat April von den insgesamt ca. 80.000 ha lizensierter Plantagenfläche in Pelalawan in Abstimmung mit dem forstwirtschaftlichen Institut der Universität Bogor IBP ca. 25 Prozent (= ca. 20.000 ha) und damit eine deutlich über das gesetzlich geforderte Maß hinausgehende Fläche als geschützte Rückzugsgebiete für seltene lokale Tiere und Pflanzen aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgenommen.

RoWo: Wie der Papier Union aus von uns übergebenen Materialen bekannt ist, sind die Torfwälder ökologisch gleichermaßen wertvoll und sensibel und daher gesetzlich besonders geschützt (auch wenn das Gesetz in Indonesien nicht eingehalten wird). [4] 

Wie die Papier Union ebenfalls weiß, hat APRIL eine ökologische Untersuchung der Pelalawan-Konzession in Auftrag gegeben, das Ergebnis aber unter Verschluss gehalten (ROBIN WOOD erhielt durch ein Versehen seitens APRIL Auszüge dieser Studie). 

Aus dieser Untersuchung ging hervor, dass der Wald in diesem Gebiet keinesfalls "stark degradiert" war, wie die PU behauptet, sondern ein Holzvolumen von 170 – 244 Kubikmeter aufwiesen (laut Gesetz dürfen bereits produktive Waldflächen, die mehr als 20 Kubikmeter Holz kommerziell verwertbarer Baumarten aufweisen, nicht in Plantagen umgewandelt werden). Der Umweltbeauftragte von APRIL räumte ROBIN WOOD gegenüber ein, dass der Baumbestand lange Zeit ungestört und beinahe undurchdringlich war. Aus der Untersuchung geht hervor, dass hier sieben geschützte Baumarten (u. a. Ramin) vorkommen sowie mindestens 78 Vogelarten (z.B. Nashornvogel), acht Arten von Reptilien und 20 Säugetierarten, darunter fünf Affenarten (u.a. Gibbons und Makaken) sowie der Sumatra-Tiger (P.tigris sumatrensis). Schon aufgrund dieser Artenvorkommen und der besonderen ökologischen Bedeutung und Sensibilität hätte dieser Wald als besonders schutzwürdig eingestuft werden müssen. Über 50.000 Hektar Regenwald in dieser Konzession wurden vollständig zerstört. Die isolierten Restwaldbestände, die von der Nutzung ausgenommen wurden, sind nicht groß genug, um das Überleben dieser Arten zu gewährleisten. Die Randbereiche und die Waldkorridore sind schon jetzt durch die umgebende Nutzung stark beeinträchtigt. Dass APRIL Kahlschlag in intakten und geschlossenen Waldbeständen betrieben hat, ist auch anhand der nachfolgenden Bilder aus der Luft erkennbar, die aus einer technischen Präsentation eines APRIL-Mitarbeiters stammen (daher stammen die Textbausteine im Bild, die Bilder lassen sich per Mausklick vergrößern). Die Tatsache, dass in Teilen dieses Gebietes bereits selektiver Holzeinschlag stattgefunden hatte, rechtfertigt nicht die Totalzerstörung des Regenwaldes.

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  1. RoWo: Wie bewertet Papier Union die Tatsache, dass April weiterhin Naturwälder zerstört, ohne die seit Jahren geforderten unabhängigen Untersuchungen über den Schutzwert dieser Wälder vorzulegen und die für das Pelalawan Gebiet in Auftrag gegebene Untersuchung nicht öffentlich gemacht hat.

PU: Papier Union hat April aufgefordert, eine solche umfassende, durch unabhängige Drittinstitutionen überprüfte Untersuchung der Nachhaltigkeit seiner Ressourcen-Planung vorzulegen und steht hierzu auch im Dialog mit Vertretern namhafter Umweltorganisationen. April hat anlässlich eines Besuchs vor Ort im August des Jahres ein solches Gesamt-Monitoring seiner Wald- und Holzaktivitäten zugesagt und einen Abschluss bzw. die Veröffentlichung der Ergebnisse für 2005 avisiert.

 

RoWo: Diese Frage richtete sich eigentlich auf die unabhängige Untersuchung des Schutzwertes des Wälder und nicht nach einer „Untersuchung der Nachhaltigkeit seiner Ressourcen-Planung“, die ebenfalls notwendig ist. Bemerkenswert ist, dass die PU das Geschäft mit APRIL in den vergangen zwei Jahren nicht ausgesetzt hat, obwohl solch eine Untersuchung nicht vorliegt. Laut einer Prognose der Weltbank sind im Jahr 2005 alle größeren Tieflandregenwälder Sumatras bereits zerstört.

 

  1. RoWo: Woher nimmt die Papier Union die Gewissheit, dass bei der Zerstörung der Torfwaldgebiete keine Gesetze missachtet werden, obwohl alle von Robin Wood vorgelegten Informationen darauf hindeuten, dass April

    1. produktiven Wald in Plantagen umwandelt, was laut Gesetz verboten ist (Gesetze PP 7/1990, SK 162/2003, SK 200/1994)

    2. Wald mit einer Torfschicht von drei Metern vernichtet, in denen lt. Gesetz jeder Eingriff untersagt ist (Gesetz PP 47/1997)

    3. Die durch das internationale Artenschutzabkommen CITES geschützte Baumart Ramin ohne Erlaubnis rodet und ihren Lebensraum zerstört.

PU: Die uns vorgelegten behördlichen Dokumente zur Plantagenanlage und den Einschlagkonzessionen Aprils in den fraglichen Gebieten lassen erkennen, dass die Konformität der geplanten Maßnahmen mit den einschlägigen indonesischen Schutzgesetzen geprüft und bejaht wurden. Basis für die Planungen in Pelalawan ist der Raumnutzungsplan (Spatial Plan) der Provinz Riau, Perda Nr. 10 von 1994, in einer aktualisierten und detaillierten in Fassung mit Perda No. 23 von 2001. Infolge des nach 1997 einsetzenden Demokratisierungsprozesses (Dezentralisierung der Kompetenzen) hatten sich im Laufe des Verfahrens neue Zuständigkeiten und auch Unklarheiten hinsichtlich der Interpretation und Ausführung der verschiedenen die Landesplanung und Waldnutzung betreffenden Gesetze ergeben. Deshalb erließ das Ministerium für Forst- und Landwirtschaft in Jakarta zur Planungslage in Riau den Erlass SK Nr. 162 von 2003, in dem u.a. April aufgefordert wurde, die bis 2009 geplanten Konvertings zur Sicherstellung der vollständigen Umstellung der Holzversorgung auf Plantagenbasis nach Maßgabe der dortigen Hinweise zügig umzusetzen. April hat nach eigenen Aussagen zu keinem Zeitpunkt gezielt Ramin-Bäume gerodet, allenfalls sind sehr geringe Mengen in Form vereinzelter Bestände (< 1 cbm per ha) in die Plantagenkonvertierungen eingegangen. Ein Einzelverbleib derartiger Bestände inmitten von Akazienbeständen hätte auch ökologisch keinen Sinn gemacht, hierin bestand Einigkeit mit den beteiligten Fachleuten und Behördenvertretern. Insofern auf Pelalawan vereinzelt größere Ramin Ansammlungen angetroffen wurden, sind diese in die innerhalb der Plantagen angelegten Schutzgebiete integriert (s.o.) und von den Einschlägen somit ausgenommen.

 

RoWo: Offenbar verfügt die PU über mehr Gewissheit, was die rechtliche Zulässigkeit des Kahlschlags von Torfwald angeht, als der Konzern APRIL selbst. Der Umweltbeauftragte von APRIL teilte ROBIN WOOD am 30. Juni in einer E-Mail mit: „That the peat horizon more than 3 meters has to be left is still a matter of interpretation of rules and contra rules.“ Mit anderen Worten: Ob Wald mit einer Torfschicht von mehr als 3 Metern verschont bleiben muss, ist aus Sicht von APRIL eine Frage der Interpretation der Gesetze. APRIL hat uns bisher keine Ausnahmegenehmigung vorgelegt, die den Konzern dazu berechtigt, die o.a. Gesetze zu missachten. Aus einem Kartenwerk von "Wetlands International" und der Kanadischen Entwicklungszusammenarbeit geht hervor, dass sich die Pelalawan-Konzession nahezu ausschließlich auf Torf-Standorten mit einer Mächtigkeit von mehr als vier Metern ausdehnt (Karte per Mausklick vergrößern, die ungefähre Lag der Pelalawan Konzession ist von Robin Wood mit einer roten Umgrenzungslinie in der Mitte der Karte hervorgehoben), Quelle: Friends of the Earth, http://www.maanystavat.fi/april

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Aus ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Sicht ist die Einhaltung der genannten Gesetze absolut notwendig, um einen weiteren Verlust an Lebensgrundlagen mit katastrophalen Folgen in Sumatra zu verhindern. 

Die Baumart Ramin ist durch das internationale Artenschutzabkommen CITES geschützt, das Fällen der Bäume ohne Genehmigung illegal. Das gilt für jedes Exemplar der Art. Schließlich darf auch ein alleine im Regenwald umher streifender Orang-Utan nicht abgeknallt werden, nur weil der „Einzelverbleib…ökologisch keinen Sinn macht“. 

Die Definition der Weltbank für illegalen Holzeinschlag umfasst auch Holzeinschlag „without complying with bidding regulations“ und von „protected species (as defined by CITES or other international law), (Worldbank as published in the WB CEO forum on forests, ABN Amro forest policy).

Wenn die Papier Union ihre Kriterien für den Papiereinkauf ernst nehmen würde, müßte sie das Geschäft mit APRIL sofort einstellen.

  1. RoWo: Woher nimmt die Papier Union die Überzeugung, dass die erwähnten Pläne auf Distriktebene Konzessionäre dazu ermächtigen, nationale Waldgesetze zu missachten? Wir kommt die Papier Union zu der Auffassung, dass das Gesetz SK Nr 162 von 2003 den Konzessionären generell die Schaffung von Plantagen erlaubt, obwohl dieses Gesetz die Umwandlung von produktivem Wald in Plantagen verbietet?

PU: Dieser Überzeugung haben wir zu keinem Zeitpunkt Ausdruck verliehen, auf die sich infolge des so genannten Demokratisierungs- und Dezentralisierungsprozesses in Indonesien ergebenden Probleme und den ministeriellen Erlass SK Nr. 162/2003 haben wir oben bereits hingewiesen. Sie sind jedoch kein Problem des Herstellers April, sondern ein Ergebnis der politischen Situation in Indonesien.

RoWo: Die Antwort ist nicht verständlich. Ist die Papier Union nun überzeugt, dass APRIL legal den Regenwald zerstört oder ist sie es nicht?

  1. Wie bewertet Papier Union die Tatsache, dass das SGS Audit nur die Holzlieferungen von Dritten beurteilt, April aber bis heute kein Audit vorgelegt hat, dass die Legalität des Holzbezugs von Joint Venture Partnern und aus eigenen Konzessionsgebieten bewertet, aus denen der überwiegende Teil des Rohstoffs stammt (s.a. Schreiben des WWF an Papier Union)?

PU: April hat bei der Identifikation und Kennzeichnung von Schutzgebieten innerhalb seiner gesamten Konzessionsflächen von Anfang an mit renommierten unabhängigen Institutionen wir dem forstwirtschaftlichen Institut der Universität Bogor und dem Centre for International Forestry Research in England (CIFOR) zusammengearbeitet. Aprils Waldmanagement System wurde bereits 1999 erstmals und in 2000 erneut durch die SGS auditiert. Alle Forstaktivitäten sind zudem durch SGS gemäß ISO 14001 umweltzertifiziert. Vor diesem Hintergrund wird April in Bälde eine Auditierung seiner gesamten Nachhaltigkeitsplanung durchführen (s.o.). Ergänzend sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für die von Papier Union ausschließlich gehandelten Officepapiere Aprils auf Akazienbasis eine Bezugskettenzertifizierung seitens SGS vorliegt, die auch eigene bzw. Joint Venture Unternehmen mit einschließt.

RoWo: Wieder wird die Frage nicht beantwortet. CIFOR und die Universität Bogor haben keine Stellung zur Frage der Legalität der Regenwaldzerstörung in den Konzessionsgebieten bezogen, ebenso wenig wie SGS. 

  1. RoWo: Wissenschaftler haben beschrieben, dass die Torfwaldgebiete Indonesiens natürlicherweise nie austrocknen und jeder Eingriff zur Bewirtschaftung die Waldbrandgefahr erhöht (z.B. Spektrum der Wissenschaft, Brennende Regenwälder, Feb. 2004). April legt Kanäle an, da Akazienmonokulturen an diesen Standorten nur gepflanzt werden können, wenn die oberflächennahe Torfschicht trocken gelegt wird (sichtbar anhand der einsetzenden Mineralisierung des Torfkörpers, der nicht mehr unter Luftabschluss steht). Warum behauptet die Papier Union wider besseres Wissen, dass April Kanäle anlegt, „um die Austrocknung zu verhindern“?

PU: Ältere Palmöl Plantagenprojekte auf Torfmoorböden Riaus haben gezeigt, dass dies ein grds. beherrschbares Problem ist – größere oder gar unkontrollierte Brände sind hier nicht bekannt. Die seitens April in den Plantagen Pelalawans mit großem Aufwand angelegten und laufend unterhaltenen Kanalsysteme dienen, wie wir ausgeführt haben, der Wasserstandsregulierung und nicht der Austrocknung. Die Aufgabe besteht darin, den Wasserstandspegel ca 60-90 cm unterhalb der Oberfläche stabil zu halten, nicht zuletzt, weil die angepflanzten Akazienkulturen das Wasser selbst benötigen. Durch die zügige ganzflächige Neubepflanzung des infrage stehenden Lizenzgebiets ist zudem eine kontinuierliche Bodendeckung durch Pflanzenbewuchs sichergestellt. Diese Arbeiten werden bis Ende des Jahres 2005 bzw. Anfang 2005 weitestgehend abgeschlossen sein. Zudem konnten wir uns vor Ort davon überzeugen, dass April ein leistungsfähiges Feuerfrühwarn- und -bekämpfungssystem unterhält, z.B. in Form von schnellst beweglichen Fluggleitboten auf den Kanälen und Fallschirmspringern. Nicht zuletzt ist es im Interesse des Unternehmens, die Basis seiner Rohstoffversorgung nicht durch Feuerrisiken zu gefährden.

RoWo: Die hier gemachten Aussagen (ohne Quellenangaben!) zur Brandgefahr auf Torfstandorten in Riau sind wissenschaftlich völlig unhaltbar. Es brennt jedes Jahr in Riau auf verschiedenen dieser Standorte, die Brände geraten oft außer Kontrolle und sie haben verheerende Auswirkungen (s. z.B. nachfolgende Satellitenbildaufnahme aus dem Jahr 2003, Ausschnitt unten): 

http://rapidfire.sci.gsfc.nasa.gov/gallery/?2003159-0608/Sumatra2.A2003159.0625.1km.jpg

 

 

Wie es in Plantagengebieten in den Provinzen Riau und Jambi aussieht, wenn es brennt, kann man sich im Internet anschauen unter: 

http://www.fire.uni-freiburg.de/GFMCnew/2004/0624/20040624_sea.htm 

Akazienplantagen werden im Gegensatz zu Ölpalmplantagen übrigens alle sieben Jahre kahl geschlagen und dann gibt es über mehrere Monate keine bzw. nur geringfügige Vegetationsbedeckung.

  1. RoWo: Welche Gewissheit hat Papier Union, dass es in den bewirtschafteten Gebieten in extrem trockenen Jahren (z.B. während El Nino) aufgrund der oberflächlich ausgetrockneten Torfschicht, des Fehlens von Vegetation etwa nach Ernte der Plantagen und sinkendem Wasserstand im Kanalsystem nicht zu katastrophalen Waldbränden kommt, wie es 1997/1998 in vergleichbaren Gebieten der Fall war? 

PU: Siehe hierzu unsere Ausführungen zuvor. Ein wesentlicher Faktor der seinerzeitigen Brandkatastrophe, nämlich unkontrollierte Brandrodung, kann im Falle Aprils ausgeschlossen werden. Zudem standen leistungsfähige Feuerfrühwarn- und -bekämpfungssysteme seinerzeit nicht zur Verfügung, was vorliegend ebenfalls nicht zutreffend ist.

RoWo: Ein ausgetrockneter Torfboden ist extrem brandgefährdet, eine Vielzahl von möglichen Ursachen kann zum Feuer führen. Wenn während einer längeren Trockenzeit kein Wasser mehr in den Kanalsystemen vorhanden ist, ist das Feuer nicht mehr zu kontrollieren. Durch die vom Menschen herbeigeführte globale Erwärmung – zu der auch die Zerstörung der Torfwälder beiträgt - wird es zunehmend immer häufiger zu solchen extremen Klimaschwankungen geben.

  1. RoWo: Wie bewertet Papier Union, dass April den Ausbau seiner Fabriken Mitte der 90iger Jahre zur Zeit der Suharto-Diktatur gegen den Protest der lokalen Bevölkerung durchsetzte, die Ihre Landrechte verletzt sah, wobei es Verhaftungen und Verletzte gab?

PU: Im Falle Aprils sind uns solche besonderen Vorteilsnahmen seitens der Eignerfamilie zu Zeiten des Suharto Regimes zumindest nicht bekannt. Bis heute liegen uns keine konkretisierten und überprüfbaren Hinweise zu Menschenrechtsverletzungen Aprils beim Aufbau seiner Wirtschaftsanlagen auf Sumatra vor. Von entscheidender Bedeutung sind heute die eindeutigen Fortschritte, die das Unternehmen bei der gewaltfreien Lösung auftretender Landrechtsprobleme gemacht hat sowie die unübersehbaren Anstrengungen Aprils, größere Teile der lokalen Bevölkerung an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens direkt oder indirekt – siehe Community Development Programm - teilhaben zu lassen. Heute leben in Kerenci, dem Fabrikstandort Aprils, fast 60.000 Menschen. Mitte der Neunziger Jahre – zum Zeitpunkt der Ansiedlung des April Werks dort - waren es rund 200 Familien, die in mehr als einfachen Verhältnissen lebten. Insgesamt sichert April heute ca. 100.000 Menschen in der Region den Unterhalt. Damit leistet das Unternehmen einen großen Beitrag zur Bewältigung der Armut und der Bevölkerungsprobleme in Indonesien und zur Reduzierung der Abwanderung in die Großstädte mit den bekannten Problemen.

RoWo: Siehe Kommentar zu Frage 1: Die Verletzung der Landrechte und Vertreibung der lokalen Bevölkerung durch APRIL ist in dem Bericht „APRIL fools“ von Friends of the Earth dokumentiert (Chapter 6, land disputes, S. 24f.), den wir Papier Union Ende 2002 übergeben haben. 

 Das Foto zeigt Marganti Manalu. Er wurde Ende der 90er Jahre unter einem Vorwand für ein Jahr ins Gefängnis gesperrt, nachdem er sich für die Verteidigung der Landrechte der Einheimischen und gegen APRIL in Riau einsetzte (s.auch o.a. Quelle). Foto von Friends of the Earth http://www.maanystavat.fi/april/gallery/index3.htm (auf dieser Homepage viele weitere Fotos der Umweltzerstörung durch APRIL). 

Für besonders schwerwiegende Repressionen ist der APRIL-Inhaber und Kopf der Unternehmensgruppe Raja Garuda Mas, Sukanto Tanoto, in Nordsumatra verantwortlich. Seine Unternehmensgruppe betreibt dort das Zellstoffwerk Toba Pulp Lestari (TPL). Diese Anlage wurde 1984 unter dem Namen Indorayon gebaut und belastete die Umwelt erheblich mit Schadstoffen. Unter Suharto wurde der Widerstand der Bevölkerung mit Polizei und Militär unterdrückt. 1999 erreichten die Proteste ihren Höhepunkt, zwei Menschen wurden erschossen, viele verletzt. Danach verfügte Präsident Habibie die Schließung der Industrie. Anfang 2003 wurde die Zellstoffproduktion trotz anhaltender Proteste unter dem neuen Namen PT Toba Pulp Lestari mit Polizeischutz wieder aufgenommen. Wieder wird der Protest mit Gewalt niedergeschlagen (Quellenangaben im ROBIN WOOD-Bericht "Raubbaupapier".). Bilder der Repression unter http://www.umwaelzung.info/Indorayon.html

Wie ROBIN WOOD vor Ort feststellte, wird auch in Riau Zellstoff von TPL verarbeitet. Wir haben die PU mehrfach auf diese Konflikte hingewiesen. 


[1] In dem Schreiben der PU vom 4.6.04 heisst es: 

„Papier Union legt als eines der führenden deutschen Papiergroß­handels­unternehmen und Teil der Inapa-Gruppe, einer der führenden europäischen Papiergroßhandelsgruppen, Wert auf die Feststellung, dass nur Papiere eingekauft und vertrieben werden

  • bei deren Herstellung kein Holz aus geschützten Urwäldern oder aus hochwertigen, besonders schützenswerten Wäldern (High Value Conservation Forests, HVCF) eingesetzt wird
  • deren Rohstoffe aus nachhaltiger (stets reproduzierter) Forstwirtschaft hergestellt werden
  • für die keinesfalls Holz aus illegalem Holzeinschlag eingesetzt wird
  • für die bevorzugt ein durch Audits überprüfter Bezugs­kettennachweis (Chain of Custody) geführt werden kann."

[2] Matthew, E. et al. 2002: Paper Tiger, Hidden Dragons 2  - The forest destruction, social conflict & financial crisis of Asia Pacific Resources International Holdings Ltd. (April) & the role of financial institutions and paper merchants. Friends of the Earth, 2002 http://www.foe.co.uk/campaigns/corporates/case_studies/april/

[3] Harwell, E. et al. 2003: Without Remedy: Human Rights Abuse and Indonesia’s Pulp and Paper Industry. Human Rights Watch, Washington, D.C. 2003 http://www.hrw.org/reports/2003/indon0103/

[4] z.B.: Spektrum der Wissenschaft 2004, Brennende Regenwälder, Februar 2004